„Entspannung am Zinsmarkt: Bauherren können aufatmen“

So titelt ein Artikel im Blog des Deutschen Versicherungsvergleichs ANSAHL.COM und stellt in Aussicht, dass in derart absehbarer Zeit die Kreditzinsen auf eine Niveau sinken, dass Bauherren jetzt besser abwarten sollen um auf bessere Zinskonditionen für aktuell anliegende Projekte zu warten. Angenehme Aussichten für Bauherren, die so billiger bauen und Anleger die so billiger kaufen können.

Ein sehr gefährlicher Ratschlag wie ich finde. Ich sehe keine derart drastische Zinssenkung kommen, die es ermöglicht die Mehrkosten durch das Zuwarten -die Baukosten steigen im Jahr um etwa 3,4%- auch nur zu kompensieren. Wenn die prophezeite Zinskorrektur in diese Richtung kommt wäre es eine sehr drastische. Da wäre es dann doch angebracht schon fertige Immobilien „fertig“ zu haben für die Masse an Kleininvestoren die plötzlich gute Kredite bekommen und ihr Geld schnell in Immobilien anlegen wollen?

Diese Grafik soll ersichtlich machen, dass ein Zuwarten mit der Hoffnung auf eine Leitzinssenkung um 81,2% oder um fast 3,5 Prozentpunkte auf nur 0,85%, nicht tragbar ist -wir gehen immer noch von um 3,4% p.a. steigenden Errichtungskosten aus; Die Grafik sieht vereinfacht von realen Zinsaufschlägen auf den Leitzinssatz ab:

Eine geringe Zinssenkung würde allerdings wirklich wieder ein bisschen Leben in den Immobilienmarkt bringen.

Nachtrag: Auch im Immobilienmarkt & Immobilienwert Blog wird von sinkenden Baukreditzinsen gesprochen. Konkret von etwa 0,13 Prozentpunkten unter den Werten von Anfang Juni 2008.

Was bringt der Juli 2008 neues?

Fast vergessen, aber durch den Blog Immobilien-Energieausweis zumindest auf eines aufmerksam gemacht worden, möchte ich heute über zwei Neuerungen berichten die ab 1. Juli 2008 greifen:

Der Energieausweis ist ab sofort bei neu errichteten und generalsanierten Bauten in Österreich erforderlich. Ab 1. Jänner 2009 ist der Energieausweis für alle zu vermietenden bzw. zu verlaufenden Wohnungsen, Büros und Betriebsobjekte vorgeschrieben. Für eine grobe Übersicht über die Bestimmungen hierzu in Österreich bietet sich hier die Seite www.energieausweis.at an.

Die zweite Änderung betrifft das Bauträger-Vertragsgesetz BTVG. Ab sofort gilt das BTVG bei einer Vorauszahlung (vor Fertigstellung des Gebäudes) von mehr als EUR 150/m² Nutzfläche (bisher EUR 145/m²). Dazu gehören nun auch Sonderleistungen die vom Bauträger vorgeschrieben wurden. Weiters wurden die Sicherheiten für den Käufer gestärkt. Die bisherigen Ratenplanmodelle wurden gekippt und gegen zwei neue Ratenplanmodelle ersetzt worden.

§10 Abs.2 BTVG

Zu nachstehenden Terminen sind höchstens folgende Teile des Preises fällig:

1. im Ratenplan A (§ 9 Abs. 4):
a) 15 vom Hundert (Anmerkung: d.h. 15%) bei Baubeginn auf Grund einer rechtskräftigen Baubewilligung;
b) 35 vom Hundert nach Fertigstellung des Rohbaus und des Dachs;
c) 20 vom Hundert nach Fertigstellung der Rohinstallationen;
d) 12 vom Hundert nach Fertigstellung der Fassade und der Fenster einschließlich deren Verglasung;
e) 12 vom Hundert nach Bezugsfertigstellung oder bei vereinbarter vorzeitiger Übergabe des eigentlichen Vertragsgegenstandes;
f) 4 vom Hundert nach Fertigstellung der Gesamtanlage (§ 4 Abs. 1 Z 1) und
g) der Rest nach Ablauf von drei Jahren ab der Übergabe des eigentlichen Vertragsgegenstandes, sofern der Bauträger allfällige Gewährungsleistungs- und Schadenersatzansprüche nicht durch eine Garantie oder Versicherung (§ 4 Abs. 4) gesichert hat;

2. im Ratenplan B (§ 9 Abs. 4):
a) 10 vom Hundert bei Baubeginn auf Grund einer rechtskräftigen Baubewilligung;
b) 30 vom Hundert nach Fertigstellung des Rohbaus und des Dachs;
c) 20 vom Hundert nach Fertigstellung der Rohinstallationen;
d) 12 vom Hundert nach Fertigstellung der Fassade und der Fenster einschließlich deren Verglasung;
e) 17 vom Hundert nach Bezugsfertigstellung oder bei vereinbarter vorzeitiger Übergabe des eigentlichen Vertragsgegenstandes;
f) 9 vom Hundert nach Fertigstellung der Gesamtanlage (§ 4 Abs. 1 Z 1) und
g) der Rest nach Ablauf von drei Jahren ab der Übergabe des eigentlichen Vertragsgegenstandes, sofern der Bauträger allfällige Gewährungsleistungs- und Schadenersatzansprüche nicht durch eine Garantie oder Versicherung (§ 4 Abs. 4) gesichert hat.

Eine mögliche Auswirkung wird sein, daß Bauträger vermehrt vom Ratenplanmodell abweichen und auf ein Modell mit Bankgarantie setzen. Für den Bauunternehmer hat dies den Vorteil keinen Treuhänder einsetzen zu müssen und weiters einen vollkommen Individuellen Ratenplan einzusetzen. Der Nachteil für den Käufer hierbei sind die Kosten für jeden von der Bank ausgestellten Garantieschein.